Nordkorea vor der Haustür?

Mittwochskolumne von Paul Oppenheim

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Sanktionen. Da fallen mir Länder wie Kuba, Iran und vor allem Nordkorea ein. Seit Jahren werden diese Länder isoliert. Der ökonomische Druck soll Veränderung bewirken. Nun geht es um Russland. Wirtschaftliche Sanktionen sollen ein Ende des Angriffs auf die Ukraine erzwingen.

Wer Nordkorea besucht, wundert sich, dass trotz der Sanktionen das Leben weitergeht. In der Hauptstadt Pjöngjang werden glitzernde Neubauten errichtet, es fahren immer mehr Autos auf den breiten Straßen, viele Menschen haben ein Smartphone zur Hand. Es gibt moderne Fabriken, Schulen, Universitäten, Museen, gleichzeitig herrscht auf dem Land bitterste Armut, Heizung ist im eiskalten Winter Luxus und wegen fehlender Ersatzteile wird auf den Feldern mit der Hand geerntet. Trotz alledem hat Nordkorea ein Heer von über einer Million Soldaten. Langstrecken-Raketen werden entwickelt und Atomsprengköpfe hergestellt, über die ein Diktator verfügt, den viele für wahnsinnig halten.

Trotz der Sanktionen ist von Protesten im Land nichts zu vernehmen. Die Kontrolle der Bevölkerung ist lückenlos. Kritiker werden eingesperrt. Die Verehrung des Diktators ist Staatsreligion. Zu ausländischen Zeitungen oder sozialen Medien haben normale Menschen keinen Zugang. Das nordkoreanische Regime beantwortet die wirtschaftlichen Sanktionen mit einer permanenten Gehirnwäsche der eigenen Bevölkerung. Die staatliche Propaganda hat das Monopol der Information und verbreitet ein Bild der Welt, das mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat.

Ist das die Zukunft, die Russland erwartet? Soll vor unserer Haustür - jenseits einer unüberwindlichen Waffenstillstandsgrenze - ein zweites Nordkorea entstehen? Schon jetzt schottet Putin sein Land gegen Informationen aus dem Ausland ab und bringt Kritik zum Verstummen. Durch immer mehr Zensur lässt Putin sein Land in eine irreale Welt „alternativer Fakten“ abdriften.

Es gibt die Hoffnung, dass Wirtschaftssanktionen die Waffen in der Ukraine zum Schweigen bringen. Es besteht aber auch die Gefahr, dass als Antwort auf Sanktionen jene Stimmen zum Schweigen gebracht werden, die sich gegen den Krieg und für die Freiheit erheben. Es ist jetzt wichtiger denn je, diese Stimmen aus Russland wahrzunehmen und sie in unsere Friedensgebete mit aufzunehmen. Nur solange wir solche Stimmen aus Russland hören, besteht eine Hoffnung auf die Rückkehr des Friedens in Europa.


Paul Oppenheim

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