Weihnachtspredigt zu Römer 1,1-7

von Präses Nikolaus Schneider

''Weihnachten, das heißt: Gottes Menschenliebe und Menschennähe wird ganz konkret greifbar, fühlbar und anschaubar in einem Kind, in dem Menschenkind Jesus Christus!''

Predigt über Römer 1, 1-7
von Präses Nikolaus Schneider
in der Johanneskirche zu Düsseldorf an Heiligabend,
Donnerstag, 24. Dezember 2009

Es gilt das gesprochene Wort.

I. Lesung des Predigttextes:
„Paulus, ein Knecht Christi Jesu,
berufen zum Apostel,
ausgesondert zu predigen das Evangelium Gottes,
das er zuvor verheißen hat durch seine Propheten in der Heiligen Schrift,
von seinem Sohn Jesus Christus, unserm Herrn,
der geboren ist aus dem Geschlecht Davids nach dem Fleisch,
und nach dem Geist, der heiligt, eingesetzt ist als Sohn Gottes
in Kraft durch die Auferstehung von den Toten.
Durch ihn haben wir empfangen Gnade und Apostelamt,
in seinem Namen den Gehorsam des Glaubens aufzurichten unter allen Heiden,
zu denen auch ihr gehört, die ihr berufen seid von Jesus Christus.
An alle Geliebten Gottes und berufenen Heilige in Rom:
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!“
(Römer 1, 1-7)

II. Predigt
„An alle Geliebten Gottes und berufenen Heiligen in Rom:
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!“ - Diese Anrede, liebe Gemeinde, sollte vor fast 2.000 Jahren die Herzen der Menschen in der jungen christlichen Gemeinde Roms öffnen.
Dieser Eingangssegen sollte das Fühlen und das Denken der Christenmenschen aufschließen für das Evangelium Gottes, das Paulus ihnen predigen will. Paulus beginnt deshalb mit einer wunderbaren Zusage, ein wohltuender Zuspruch ist das Erste, was er den Christinnen und Christen in Rom zu
sagen hat:
Ihr Christenmenschen in Rom seid Geliebte Gottes – freut Euch darüber!
Egal ob ihr Mann oder Frau, Judenchrist oder Heidenchristin seid, egal ob ihr reich oder arm, gesund oder gebrechlich, erfolgreich oder gescheitert seid: Ihr seid Geliebte Gottes – so gut meint es Gott mit Euch allen!
Ihr Christenmenschen in Rom seid von Gott Berufene und Heilige!
Gott selbst hat sein Wort für euch hörbar und erfahrbar macht.
Und wenn Ihr fragt: „Wie denn?“, dann lautet die Antwort: durch das lebendige Gotteswort, durch Jesus Christus seid ihr berufen.
Gott selbst will euch aus eurer Gottesferne herausretten – denn sie wäre euer Tod!
Gott selbst will euch hineinführen in die Bindung eures Lebens an Gott – sie ist euer Leben!
So wurden damals Christinnen und Christen in Rom angesprochen, so werden auch wir heute angesprochen. Lassen auch wir unser Denken und Fühlen aufschließen durch diese Anrede und durch diesen Segen:
An alle Geliebten Gottes und berufenen Heiligen in Düsseldorf:
Gnade sei mit uns und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!
Damals galt, was auch heute gilt: Heilig seid ihr, denn durch eure Lebensbindung an Gott haben Sünde und Tod keine absolute Macht mehr über euch!
Gnade sei mit euch!
Gnade, denn Gottes Liebe und Gottes Barmherzigkeit sind größer als Gottes gerechter und richtender Zorn.
Gnade, denn Gott liebt euch, auch wenn ihr abirrt von Gottes Wegen, wenn ihr schuldig werdet an Gott und an euren Mitmenschen.
Friede sei mit euch!
Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!
Friede, damit ihr nicht mehr kämpfen müsst gegen die „Dämonen“ in euch:
Gegen eure Lebensgier oder gegen euren Lebensüberdruss,
gegen eure Selbstsucht oder gegen eure Selbstaufgabe,
gegen euer hochfahrendes Wesen oder gegen eure Minderwertigkeitsgefühle,
gegen eure Absolutheitsansprüche oder gegen eure grundsätzlichen Zweifel.
Friede sei mit euch, Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!
Wenn Ihr diese Zusage hört, dann hört auch die Ansage;
wenn Ihr Euch an diesem Zuspruch erfreut, dann stellt euch auch dem Anspruch:
Keine Resignation und kein Zynismus angesichts der „Dämonen“ der Gewalt um euch herum!
Sucht Wege des Friedens und findet Wege, den Teufelskreis der Gewalt zu durchbrechen in dieser unfriedlichen Welt!
Mit Feinden muss man sprechen und gemeinsam nach Wegen der Befriedung und der Versöhnung suchen. Man kann sie nicht alle ausrotten!
Setzt Hoffnungszeichen gegen Gewalt und Unmenschlichkeit! Ihr habt doch „Brot für die Welt“ und viele weitere Entwicklungsdienste.
Hört nicht zu glauben, zu lieben und zu hoffen in allen Kreuzes- und Todeserfahrungen, die euch zugemutet werden! Lasst euch von dem ansprechen und trösten, der Leiden, Kreuz und Tod kennt – von dem lebendigen Gotteswort Jesus Christus.
Bewahrt eure Heiligkeit, die Würde Eures Menschseins. Heiligt die Feiertage, damit Zeit zum Innehalten, Nachdenken und zur Pflege eurer Seele bleibt. Lasst euch hinausnehmen aus der Geschäftigkeit der Alltage, damit ihr nicht darauf reduziert werdet, Käufer oder Verkäuferinnen zu sein; damit sich euer Menschsein nicht darin erschöpft, zu produzieren oder zu konsumieren.
Also: an alle Geliebten Gottes und Berufenen Heiligen überall und zu allen Zeiten: Gnade sei mit uns und Friede von Gott, unserem Vater, und dem errn Jesus Christus!

[Musikalisches Zwischenspiel]

„Fürchtet euch nicht!
Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“
Mit diesen Worten, liebe Gemeinde, haben die Engel damals in der Heiligen Nacht in Bethlehem den Hirten das Evangelium Gottes verkündet.
Das Evangelium Gottes, das ist die frohe Botschaft von Gottes Gegenwart und Weggeleit auf unserer Erde; dieses Evangelium wird in der Heiligen Nacht greifbar, fühlbar und anschaubar in einem Menschenkind, im Gottessohn Jesus Christus.
Das Evangelium Gottes, das ist die frohe Botschaft von der Menschennähe und Menschenliebe des ewigen Gottes. Dieses Evangelium wird in der Heiligen Nacht Teil unserer menschlichen Zeitlichkeit.
Es wird selbst zum Menschen. Der Menschensohn Jesus von Nazareth ist das Evangelium Gottes.
Das Evangelium Gottes, das ist die frohe Botschaft, die uns die Propheten des Gottesvolkes Israel in den alten Schriften verheißen haben; dieses Evangelium kommt in der Heiligen Nacht zu seiner Erfüllung!
„Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren!“
So jubeln die Engel das Evangelium Gottes damals in der Heiligen Nacht zu Bethlehem den Hirten zu.
Und 50 Jahre nach dieser ersten Heiligen Nacht will der Apostel Paulus mit diesem Evangelium die Herzen der Christenmenschen in Rom bewegen.
Der „Jubel“ des Paulus klingt so:
„Paulus, ein Knecht Christi Jesu, berufen zum Apostel, ausgesondert zu predigen das Evangelium Gottes, das er zuvor verheißen hat durch seine Propheten in der Heiligen Schrift, von seinem Sohn Jesus Christus, unseren Herrn, der geboren ist aus dem Geschlecht Davids nach dem Fleisch, und
nach dem Geist, der heiligt, eingesetzt ist als Sohn Gottes in Kraft durch die Auferstehung von den Toten.“ (Römer 1, 1-4)

[Musikalisches Zwischenspiel]

Das Evangelium Gottes ist für alles Volk greifbar, fühlbar und anschaubar im Menschenkind und Gottessohn Jesus Christus!
Das ist die frohe Botschaft der Engel damals in der ersten Heiligen Nacht in Bethlehem.
Das Evangelium Gottes ist für alle Völker und alle Menschen offenbart im Menschenkind und Gottessohn Jesus Christus!
Das ist die frohe Botschaft des Apostels Paulus damals in seinem Brief an die junge Christengemeinde in Rom und heute am Heiligen Abend 2009 hier in Düsseldorf!
Das Evangelium Gottes ist für alle Menschen offenbar geworden im Menschenkind und Gottessohn Jesus Christus!
Nach seiner „körperlichen“, irdischen Existenzweise ist Jesus Christus als Menschenkind aus dem „Geschlecht Davids“ geboren.
Er ist der „Sohn Davids“, so wie es die Propheten in den Heiligen Schriften als Kennzeichen des kommenden Messias verheißen hatten. Das wird am Heiligen Abend erfüllt.
Aber nicht Weihnachten, sondern Ostern ist das Kennzeichen für die göttliche Existenzweise Jesu Christi, so lehrt Paulus im Brief an die Römer.
Die Auferstehung Jesu Christi ist zugleich die machtvolle Kundgabe der göttlichen Würde des Gottessohnes, die vorher unter seiner körperlichen Existenz verborgen war.
Durch seine Auferstehung von den Toten wird der Menschensohn durch die Kraft des Heiligen Geistes vor aller Welt eingesetzt zum „Sohn Gottes“.
Gott selbst hat Jesus Christus mit seiner Auferstehung erhöht und ihm die Machtstellung eines himmlischen Herrschers übertragen:
„Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des
Vaters.“ (Philipper 2,9-11)
Weihnachten, das heißt:
Gottes Menschenliebe und Menschennähe wird ganz konkret greifbar, fühlbar und anschaubar in einem Kind, in dem Menschenkind Jesus Christus!
Ostern, das heißt:
Gottes Macht begrenzt alle irdischen Todesmächte und Gewalten!
In seiner Auferstehung von den Toten schenkt der Gottessohn Jesus Christus auch uns die Gewissheit: Gott kann auch uns durch unseren Tod hindurch in neues Leben tragen! In dieser Gewissheit müssen wir nicht verzweifeln, nicht resignieren und nicht zynisch werden angesichts der Todesmächte um uns herum. In dieser Gewissheit können wir Wege des Friedens suchen und Frieden stiften in dieser unfriedlichen Welt!
In dieser Gewissheit können wir Hoffnungszeichen setzen gegen Unrecht, Gewalt und Unmenschlichkeit!
In dieser Gewissheit hören wir nicht auf zu glauben, zu lieben und zu hoffen in allen Kreuzes- und Todeserfahrungen, die uns zugemutet werden!
Das alles ruft der Apostel Paulus uns zu, wenn er sagt: für uns geboren aus dem Geschlecht Davids nach dem Fleisch, für uns eingesetzt ist als Sohn Gottes nach dem Geist, der heiligt, in Kraft durch die Auferstehung von den Toten!
Deshalb, ihr Geliebten Gottes und berufenen Heiligen hier in Düsseldorf:
Gnade sei mit uns
und Friede von Gott, unserm Vater,
und dem Herrn Jesus Christus!
Gesegnete Weihnachten!
Amen


Präses Nikolaus Schneider, 24. Dezember 2009 in Düsseldorf. Es gilt das gesprochene Wort.
Gesammelte Materialien für den Gottesdienst

Grundlage ist die aktuelle Perikopenordnung der evangelischen Kirche.

Werner-Sylten-Preis für christlich-jüdischen Dialog wird erneut verliehen
Ausschreibung zum 80. Jahrestag der Ermordung am 12. August
Zum 80. Jahrestag der Ermordung von Werner Sylten am 12. August schreibt die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) zum siebten Mal den Werner-Sylten-Preis für christlich-jüdischen Dialog aus.

Quelle: EKMD