''Ernährungssicherung vor Energieerzeugung''

EKD-Kammer legt Stellungnahme zur nachhaltigen Nutzung von Biomasse vor

EKD. Die Sicherung der Ernährung sollte Vorrang haben vor einer Verwendung biologischer Masse für die Energiegewinnung. In einer Stellungnahme der Kammer für nachhaltige Entwicklung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wird diese Grundüberzeugung ausführlich begründet und erläutert.

Die Kammer für nachhaltige Entwicklung der EKD hat am 29. September diese Stellungnahme zu den Kriterien für die nachhaltige Nutzung von Biomasse unter dem Titel „Ernährungssicherung vor Energieerzeugung“ (EKD-Texte 95) vorgelegt.

Der Klimawandel, die steigende weltweite Nachfrage nach Lebensmitteln in den Schwellen- und Entwicklungsländern und die wachsende Nutzung von Biomasse für die Energieerzeugung hätten sich inzwischen auch auf die globale Ernährungssicherung ausgewirkt, stellt die Studie fest. Insbesondere der massive weltweite Investitionsboom in Agrotreibstoffe wie Biodiesel und Bioethanol hätte zur Verringerung der Anbauflächen für Lebensmittel und zu einer Verstärkung der Flächennutzungskonkurrenz zwischen „food“ (Nahrungsmitteln), „feed“ (Futtermitteln) und „fuel“ (Treibstoffe) geführt. Die Weltmarktpreise für Getreide hätten sich in den vergangenen drei Jahren mehr als verdoppelt. Dies treffe in erster Linie die ärmsten Länder. Angesichts dieser Entwicklung müsse bei der Biomassenutzung die Sicherung der Ernährung und die Bewahrung der biologischen Vielfalt Vorrang vor der Energieerzeugung haben, so die Kammer der EKD.

Die Stellungnahme zeigt nach einer Darstellung der Sachproblematik die wesentlichen internationalen Konfliktlinien auf und macht für die Nachhaltigkeit der Nutzung von Biomasse insbesondere ihren Beitrag für Ernährungssicherung und Armutsbekämpfung in den Ländern der südlichen Erdhalbkugel sowie ihre Auswirkungen auf die biologische Vielfalt zum Kriterium. Die Stellungnahme legt dar, dass der Verbrauch natürlicher Ressourcen langfristig und in einem ausreichenden Maße nur gesenkt werden kann, wenn technologische Effizienzstrategien mit Verhaltensänderungen der Menschen zusammenkommen. Dazu bedürfe es, so die Kammer, eines Wandels der am Konsum orientierten Lebensstile der Industriestaaten. Diese Lebensstile seien an einer „Ökonomie der Genügsamkeit“ auszurichten und im alltäglichen Leben zu verankern.

Politischen Handlungsbedarf bei Agrotreibstoffen sieht die Stellungnahme vor allem bei der Förderung von Energieeinsparung und Energieeffizienz, der Festlegung verbindlicher Emissionsobergrenzen für Kraftfahrzeuge, der Ausrichtung des Biomasse-Anbaus an ökologische Kriterien und der Revidierung der Entscheidungen für Beimischungsquoten. Das Schlusskapitel führt deshalb die wichtigsten Anforderungen an die Produktion und den Einsatz von Bioenergie aus kirchlicher Sicht aus und fasst als Ergebnis zusammen: Eine Steigerung der Energieeffizienz, ein genügsamer Lebensstil und eine konsequente Energie- und Klimapolitik seien die wichtigsten Schritte zu einer sozial- und naturverträglichen Nutzung von Biomasse.

Hinweis:
EKD-Texte 95 „Ernährungssicherung vor Energieerzeugung – Kriterien für die nachhaltige Nutzung von Biomasse“ ist zum Preis von 0,90 Euro zu beziehen bei: Kirchenamt der EKD, Herrenhäuser Straße 12, 30419 Hannover, Fax: 0511/2796-457, Email: versand@ekd.de.

Zum Download:
EKD-Texte 95: „Ernährungssicherung vor Energieerzeugung“


Hannover, 29. September 2008, Pressestelle der EKD, Christof Vetter

Werner-Sylten-Preis für christlich-jüdischen Dialog wird erneut verliehen

Ausschreibung zum 80. Jahrestag der Ermordung am 12. August
Zum 80. Jahrestag der Ermordung von Werner Sylten am 12. August schreibt die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) zum siebten Mal den Werner-Sylten-Preis für christlich-jüdischen Dialog aus.

Quelle: EKMD