'Gedenke des ganzen Weges' - 40 Jahre christlich-jüdischer Dialog

74. Hauptversammlung des Reformierten Bundes: 12.-14 Mai 2022, Halle an der Saale


© Wikimedia/White Shark

Bei der 74. Hauptversammlung des Reformierten Bundes befassen wir uns mit Stationen jüdisch-christlicher Weggemeinschaft. Vor dem Hintergrund des Ukrainekrieges wird es aber auch Raum geben, Fragen der Friedensethik zu diskutieren. Lesen Sie hier unser Programm.

„Gedenke des ganzen Weges“ (Dtn 8,2)

Bei der 74. Hauptversammlung des Reformierten Bundes werden wir uns unter dem Titel "40 Jahre christlich-jüdischer Dialog" mit Stationen der jüdisch-christlichen Weggemeischaft befassen, aus unterschiedlichen Perspektiven: Zu unseren geladenenen Gästen gehören die beiden Vortragenden Prof. Dr. Micha Brumlik, Senior Advisor am Zentrum Jüdische Studien Berlin/Brandenburg und Seniorprofessor an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, sowie Dr. Manuel Goldmann, der unter anderem mehrere Jahre als Direktor des Predigerseminars von Kurhessen-Waldeck tätig war.

Nach dem Eröffnungsgottesdienst mit Hannes Brüggemann Hämmerling, neuem Generalsekretär des Reformierten Bundes, wird Friedrich Kramer, Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und neuer Friedensbeauftragter der EKD, ein Grußwort sprechen. Moderatorin Kathrin Oxen berichtet anschließend von der Arbeit des Reformierten Bundes. Wir freuen uns außerdem, dass uns Rabbinerin Dr. Ulrike Offenberg mit Bibelarbeit zu Dtn 8, 1-10 unterstützen wird. Dazwischen wird es immer wieder auch Möglichkeit zum persönlichen Austausch sowie Impulse zu unterschiedlichen Zugängen zu Themen des jüdisch-Christlichen Dialogs geben.

Der Krieg in der Ukraine erschüttert uns alle. Die diesjährige Hauptversammlung soll deshalb auch Raum geben, uns über den Krieg und die Folgen auszutauschen. Bereits 2017 beschloss der Reformierte Bund bei der Hauptversammlung in Moers seinen Zwischenruf zur Friedensverantwortung der Kirche, unter dem Titel „Die Welt, unsere Angst und der Gott des Friedens“. Die Thesen sind aktueller denn je: "Der Friede Gottes ist die zentrale Verheißung und Berufung der Kirche." Auch die Hauptversammlung wird nur einen begrenzten Rahmen zur Diskussion bieten können - der Krieg wird uns vermutlich noch über die Hauptversammlung hinaus beschäftigen. Eine aktuelle Andacht zum Anlass finden Sie hier.

Achtung: Die Hauptversammlung findet in diesem Jahr ausschließlich vor Ort und per Streaming statt (nicht per Zoom), an verschiedenen Orten in Halle a. d. Saale (Hallescher Dom, Franckesche Stiftungen).

Der Teilnehmerbeitrag beträgt 90,- € (bzw. 45,- € für Rentner/innen, Pensionär/innen, Studierende).

Ein detailliertes Programm finden Sie unten.

Mit Anmeldungen und Anfragen wenden Sie sich gerne an uns: info@reformierter-bund.de

Interview mit Micha Brumlik

Prof. Micha Brumlik ist Senior Adviser am Selma Stern Zentrum für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg. Er erhielt unter anderem die Buber-Rosenzweig-Medaille für die Verständigung zwischen Juden und Christen. Bei der Hauptversammlung des Reformierten Bundes 2022 spricht er über heutige Sichtweisen auf das Christenum - aus jüdischer Sicht.
Reformierter Bund streamt live von der Hauptversammlung 2022

Noch sind Anmeldungen möglich - nicht alle Interessierten können aber an der 74. Hauptversammlungen persönlich teilnehmen - weite Teile streamen wir deshalb auf unserem YouTube-Kanal.
74. Hauptversammlung des Reformierten Bundes (12.-14. Mai 2022) ist eröffnet

In seiner Eröffnungspredigt sprach Generalsekretär Hannes Brüggemann-Hämmerling über Zweifel in Zeiten des Krieges - und warum es nun umso wichtiger sei "unserer Angst nicht nachzugeben".
Was bedeutet Frieden in unserer Welt heute? Gedankenanstöße und Impulse für den Alltag

Der Reformierte Bund hat 2017 einen Zwischenruf zur Friedensverantwortung der Kirche veröffentlicht. Frieden sehen wir als zentrale Verheißung unserer Kirche. Auf unserem Forum sammeln wir Impulse zum Nachdenken, Mitreden, Weiterentwickeln. Am Frieden wollen wir kontinuierlich arbeiten. Unser Forum wollen wir deshalb immer weiter ausbauen und zu Diskussionen anregen. Machen Sie gerne mit! Unter jedem Artikel finden Sie eine Kommentarfunktion. Wünsche und Vorschläge schicken Sie an redaktion@reformierter-bund.de
Von Hans-Joachim Kraus

Johannes Calvin sei in der Neuzeit der erste Repräsentant einer Israel-Theologie der Kirche, die den Dialog mit Juden aufnehme, hat der Alttestamentler und reformierte Theologe Kraus schon vor 20 Jahren festgestellt. Wichtige Impulse geben: 1) Calvins Auslegung des Alten Testaments mit Hilfe jüdischer Kommentare, 2) sein Festhalten an der Erwählung Israels, 3) sein Verständnis des „Gesetzes“ im Sinne der hebräischen Tora. Daneben steht die dunkle Seite in der Theologie des Reformators. Das Volk Gottes wird in der Erziehungsgeschichte zwischen Gott und Israel auf das Stadium der Kindheit festgeschrieben und vom erwachsen werdenden Christentum enterbt.
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Das politische Ereignis der Existenz Israels bewirkte eine Umkehr im theologischen Denken über das Verhältnis von Kirche und Israel. Karl Barth würdigte die Existenz des Staates Israel bereits zwei Jahre nach seiner Gründung in der „Kirchlichen Dogmatik“. Und umgekehrt? Beeinflussten kirchliche Stellungnahmen deutsche Politiker? Den drei in der evangelischen Kirche engagierten Bundespräsidenten Heinemann, von Weizsäcker und Rau zumindest waren die deutsch-israelischen Beziehungen ein persönliches Anliegen „jenseits außenpolitschen Kalküls“.