'Lehre uns das Genug'

Gottesdienst am Küchentisch. Am Sonntag Okuli 7. März 2021


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Von Kathrin Oxen

Wo zwei oder drei versammelt sind, da ist Jesus Christus mitten unter ihnen. Gott sei Dank. Das heißt: Auch, wenn derzeit nicht wie gewohnt Gottesdienste stattfinden, wird überall auf der Welt weiter gebetet, gesungen, hört Gott zu und ist nah. Wir möchten Ihnen hier ein paar Anregungen geben, wie Sie diese Zeit gestalten können.

Was man braucht: Mindestens eine Person. Eine Kerze. Eine Bibel. Vielleicht ein Gesangbuch. Ein kleiner Tipp: Es fällt leichter, wenn man sich einen festen Zeitpunkt setzt. Zum Beispiel am Sonntagmorgen.

Zu Beginn: Kerze anzünden

Eine*r:
Die Glocken läuten und laden ein zum Gebet. Jesus sagt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ – Wir sind versammelt. An unterschiedlichen Orten, zu unterschiedlichen Zeiten, miteinander verbunden über alle Entfernung. Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Alle:
Amen.

Gebet zum Eingang

Eine*r:
Gott, du bist vor uns.
Du bist in jedem neuen Tag,
du bist in allem, was vor uns liegt,
du bist auch in der Zukunft,
vor der wir uns vielleicht fürchten.
Vor uns bist du, Gott.
Doch wir sehen oft zurück,
auf das, was war
und von dem wir so fest glauben,
dass wir es wiederhaben wollen.
Wir bitten dich:
Lass uns nach vorn sehen,
mit klaren Augen und einem wachen Blick,
lass uns in unsere Zukunft gehen,
in jeden einzelnen Tag,
leicht und frei,
weil du schon auf uns wartest,
weil dein Reich schon angefangen hat.
Amen.

Psalmgebet Psalm 34
(nach einer Übertragung von Gottfried Schille)

Eine*r:
Den Herrn will ich loben Tag für Tag.
Solange ich lebe, soll sein Lob in meinem Munde sein.
Still halten kann ich nicht, bis alle es hören und sich mit mir freuen.

Alle:
Wir wollen seinen Namen miteinander erheben!
Ich suchte den Herrn, und er begegnete mir.
Er hat meine Angst von mir genommen.
Wie ein Nebel war er, der mich verbarg,
wie ein geöffnetes Haus in der Nacht.

Eine*r:
Die ich fürchtete, übersahen mich.
Die Not, vor der mir graute, blieb aus.
Das muss ich euch allen erzählen!
Viele halten sich für glücklich in ihrem Geld,
aber Reichtum ist nur, was die Not löst:
Wer den Herrn hat, wird keinen Mangel haben.

Alle:
Ihr wollt fröhlich leben und gute Tage sehen?
Lasst alles, was dem Herrn missfällt!
Liebt die Wahrheit und hütet eure Zunge,
baut Brücken zueinander.

Eine*r:
Denn er steht den Unglücklichen bei,
sein Herz schlägt für die Entrechteten.
Er, er stößt keinen hinaus in die Nacht,
er, er tritt auf keinen Zerbrochenen.

Heute kann gesungen werden:
EG 391 Jesu, geh voran oder
EG 346 Such, wer da will

Eine*r liest das Evangelium für den Sonntag: Lukas 9, 57-62

Eine*r liest die Predigt zum selben Text

Glaubensbekenntnis
(nach Dietrich Bonhoeffer)

Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten. Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Schicksal ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.

Fürbittengebet

Die Füchse haben Gruben
und die Vögel Nester,
Gott, und du hast nichts.
Wir bitten dich für alle,
in denen wir dich erkennen in unserer Stadt:
Für die Obdachlosen auf unseren Straßen,
für die, die ihre Armut noch verstecken können,
für die, die gerade so durchkommen.
Wir bitten dich für alle,
in denen wir dich erkennen in unserer Welt,
für die Menschen in den Zelten der Flüchtlingslager,
für die Menschen in den Booten,
für die Hungernden.
Du bist unter uns gewesen,
Gott, in Jesus aus Nazareth.
Er ist uns so weit voraus
und doch ist er bei uns.
Gib uns von seiner Kraft,
damit wir ihn suchen und ihm nachfolgen.
Dass wir seine Liebe in diese Welt bringen,
es ertragen, wenn sie uns für naiv halten,
aller Gleichgültigkeit und Feindseligkeit
nichts als unsere Hingabe und Treue entgegenhalten.
Hilf uns, dass wir ihm ähnlicher werden,
dem Menschensohn, dem sorglosen Wanderer,
der die Kinder liebt und die Vögel.
Mach uns so leicht und frei
wie er es war.
Der Menschensohn hat nichts,
wo er sein Haupt hinlege.
Wir haben so viel Gott,
lehre uns das Genug,
die Schönheit des Abgebens, die Verschwendung
und dass sich nicht alles rechnen muss.
Lass nicht zu,
dass das was wir besitzen, am Ende uns besitzt,
lass uns haben, als hätten wir nicht.
Um Gerechtigkeit und um Frieden bitten wir,
in unserer Stadt, unserem Land, der Welt.
Und dass wir selbst gerecht und großzügig werden.
In der Stille bringen wir vor dich,
was uns auf dem Herzen ist.
Du hörst uns, Gott.

*

Wir beten mit Jesu Worten:
Vater unser

Segen

Alle öffnen die Hände. Eine*r oder alle gemeinsam sagen:

Gott, segne uns und behüte uns.
Lass dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Erhebe dein Angesicht auf uns und gib uns Frieden.
Amen.

Hier könnte man gut noch ein Lied singen,
z.B. EG 170 Komm Herr, segne uns
oder EG 171 Bewahre uns, Gott

Kerze auspusten

Nehmen Sie sich ein bisschen Zeit nach dem Gottesdienst. Widerstehen Sie der Versuchung, sofort zur Tagesordnung überzugehen. Vielleicht ist jetzt gerade eine gute Gelegenheit, weiter über das zu sprechen, was Sie bewegt.


Kathrin Oxen
Jeden Sonntag: Gemeinsam unterwegs in besonderen Zeiten - von Kathrin Oxen

In Pandemie-Zeiten dürfen in Kirchen in Deutschland Zusammenkünfte nur mit Einschränkung stattfinden. Der Gottesdienst aber geht weiter! Kathrin Oxen, Moderatorin des Reformierten Bundes, gibt Ihnen auf reformiert-info.de jeden Sonntag Materialien für den Gottesdienst für Zuhause, dazu eine aktuelle Predigt.