Chronik
Weltgeschehen und reformierte Gedenktage
Reformierte Chronik
12.9.1532 - Waldensersynode in Chanforan
Wie die Hussiten in Böhmen haben die Waldenser im Alpenraum schon lange vor der Reformation reformatorische Ideen. Heute schließen sie sich auf einer Wiese im Piemont der Westschweizer Reformation an. Die Reformatoren Farel und Olivétan sind aus Neuchâtel angereist. Mit einer Sammlung von 500 écus d'or als Einstand er-möglichen vor allem die Waldenser die erste Übersetzung der Bibel ins Französische.
Reformierte Chronik
11.9.1572 - Feier der Hugenottenpogrome
Nach Plänen der Catarina de‘ Medici ist vor achtzehn Tagen der Hugenottenführer Gaspard de Coligny ermordet und dann ein Pogrom veranstaltet worden, dem in Paris 3‘000 Hugenotten zum Opfer gefallen sind. Landesweit sind ähnliche Massaker noch im Gang. Papst Gregor XIII hat nach Bekanntwerden der Pariser Ereignisse ein Te Deum singen lassen: Dich, Gott, loben wir. Heute findet nach seinem Willen eine Doppelfeier statt: des Siegs der christlichen Heere über die muslimischen bei Lepanto vor einem Jahr und des Siegs der katholischen Kirche über die hugenottische Häresie vor achtzehn Tagen. Bis in sechs Wochen werden weitere 15‘000 Hugenotten ermordet sein. Der Papst wird Giorgio Vasari beauftragen, im Vatikan eine Wand der Sala Regia mit der Ermordung Colignys zu bemalen. Eine Gedenkmünze mit Papst-bild und Hugenottenleichen wird erscheinen: Ugonottorum Strages 1572.
29.8.1523 - Ulrich von Hutten
Zwanzig Jahre ist er unterwegs gewesen, hat als Soldat gedient und als Poet geschrieben. In Wien hat er den Sankt Galler Reformator Vadian kennengelernt, in Mainz den Humanisten Erasmus von Rotterdam. Fünf Jahre lang hat er sich publizistisch an den Dunkelmännerbriefen beteiligt. Mit Luther hat er Briefe gewechselt und wurde mit ihm vor zwei Jahren päpstlich gebannt. Armut und Krankheit haben ihn gezeichnet. Zwingli hat ihm zur Heilung seiner Syphilis eine Zuflucht auf der Insel Ufenau im Zürichsee vermittelt. Vor fünf Wochen ist dort seine letzte Streitschrift fertig geworden, der Libellus in tyrannos. Heute stirbt der deutsche Ritter auf der Ufenau.
27.8.1647 - Westminster Confession
In der Westminster-Synode treffen sich seit vier Jahren englische und schottische Presbyterianer, um im Auftrag des englischen Parlaments, das im Streit liegt mit dem konservativen Königshaus, Fragen des neuen nachrömischen Glaubens verbindlich zu klären. Vor einem Jahr ist die Confession fertig geworden. Heute nimmt die schottische Generalsynode sie an. Im kommenden Jahr wird das englische Parlament sie zusammen mit zwei Katechismen ratifizieren und in Kraft setzen. Mit geringfügigen regionalen Abweichungen wird sie zur Grundlage sämtlicher Bekenntnisbildungen im angelsächsischen Raum werden.
26.8.1789 - Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte
Nach der Flucht von nahezu 200‘000 Hugenotten aus Frankreich, vor allem aus dem Norden, und dem Untertauchen der Gebliebenen, vor allem im Süden, hat sich die Lage der Reformierten vor zwei Jahren verbessert. König Louis XVI hat Nichtkatholiken zivilrechtliche Anerkennung gewährt. Inzwischen hat die Revolution gesiegt. Marquis de La Fayette, der für die Amerikaner gegen die Engländer gekämpft hat, hat im Geist der Unabhängigkeitserklärung von 1776 eine Vorlage erarbeitet. Heute setzt die neue Nationalversammlung die Déclaration des Droits de l’Homme et du Citoyen in Kraft. Artikel 10 von 17 gewährt nun auch Reformierten das Recht auf freien und öffentlichen Kultus: Nul ne doit être inquiété pour ses opinions, même religieuses. In zwei Jahren wird die Verfassung die Kultusfreiheit garantieren.
24.8.1560 - Reformation in Schottland
Seit gestern tagt in Hercegszölös die ungarische Synode. Heute beschliesst sie die erste Kirchenordnung für den Donaudistrikt der Reformierten. Wenig später wird Dávid Huszár, Sohn des westungarischen Reformators Gallus Huszár, reformierter Pfarrer und Chef einer Druckerei, sie herausgeben. In einem Jahr wird die Übersetzung des Heidelberger Katechismus folgen.
22.8.1864 - Genfer Konvention
Vor fünf Jahren hat Henri Dunant die humanitäre Katastrophe von Solferino miterlebt, vor zwei Jahren sein Buch darüber publiziert und vor anderthalb Jahren das Internationale Rote Kreuz gegründet. Heute unterzeichnen auf Einladung des Schweizer Bundesrats Vertreter von zwölf Staaten ein Papier, das Ärzte und Juristen auf Anregung von Dunant ausgearbeitet haben. In Artikel 7 wird das rote Kreuz auf weissem Grund als Zeichen der Erkennung und gleichzeitig als Tabu der Gewalt festgelegt. 1929 wird der rote Halbmond hinzukommen, 1949 eine weitere Konvention.
17.8.1576 - Erste ungarische Kirchenordnung
Seit gestern tagt in Hercegszölös die ungarische Synode. Heute beschliesst sie die erste Kirchenordnung für den Donaudistrikt der Reformierten. Wenig später wird Dávid Huszár, Sohn des westungarischen Reformators Gallus Huszár, reformierter Pfarrer und Chef einer Druckerei, sie herausgeben. In einem Jahr wird die Übersetzung des Heidelberger Katechismus folgen.
Reformierte Chronik
16.8.2009 - Nina Hagen
Die deutsche Godmother of Punk ist zwar schon 54, aber in der DDR, wo sie 21 Jahre lang gelebt hat, sind kirchliche Rituale verpönt gewesen. Dass Religion und Christentum sie faszinieren, haben immer wieder mal Titel ihrer Songs, CDs und Bücher vermuten lassen. Heute lässt sie sich in der Gemeinde von Schüttorf in der ehemals reformierten Grafschaft Bentheim evangelisch-reformiert taufen, von Pastor Karl-Wilhelm ter Horst, mit dem sie befreundet ist. In einem Jahr wird das Soloalbum Personal Jesus erscheinen, und ihre Show wird Nina Hagen liest und singt Bekenntnisse heissen.
Reformierte Chronik
15. August 1557 – Agnes Prest wird hingerichtet
Am 15. August 1557 wurde die Cornwallerin Agnes Prest in Exeter als evangelische Märtyrerin auf dem Scheiterhaufen hingerichtet. Während der Regierungszeit der katholischen Königin Maria I. weigerte sie sich, ihre reformatorischen Überzeugungen zu widerrufen. Insbesondere lehnte sie die Lehre von der Wandlung von Brot und Wein im Abendmahl ab und bekannte sich zur Autorität der Heiligen Schrift. Bis zuletzt blieb sie ihrem Glauben treu und nahm den Tod in Kauf. Ihr Leben erinnert daran, dass die Reformation nicht nur von Gelehrten und Reformatoren getragen wurde, sondern auch von einfachen Christinnen und Christen, die für ihre Überzeugung einstanden.
