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Was ist das?

Sünde, Geist, Dreieinigkeit: In unserem Glauben begegnen uns ständig Begriffe, die scheinbar klar sind – deren Kurzerklärung aber gar nicht so leicht fällt.

Was ist das?

Wahrheit

Den Religionen wird generell unterstellt, einen absoluten Wahrheitsanspruch zu haben, den sie mit der Offenbarung ihres Gottes begründen – vergleichbar nur mit politischen Ideologien, die sich zwar auf die Vernunft berufen, aber auch unterschiedliche Wahrheiten für richtig und sehr wichtig halten können. Die grausamsten Kriege fanden nicht aus materiellen Gründen statt, sondern um vermeintlich bessere Ideen zu verbreiten.

Den Drang, anderen die eigene Wahrheit notfalls mit Gewalt näher zu bringen, lässt sich nur auflösen, indem der Begriff anders interpretiert wird: Was wir Menschen für wahr halten, kann immer nur eine Annäherung an das sein, was wirklich wahr ist. Das gilt für die Wissenschaft wie für den Glauben: letztgültigen Einblick haben wir nicht. Diese Begrenzung können wir zwar nur schwer aushalten, sie ist aber eigentlich eine Entlastung: Wir müssen gar nicht für die Durchsetzung einer Idee kämpfen, sondern können uns gelassen der Diskussion stellen, was in dieser oder jener Situation die beste Lösung ist.

Allerdings ist auch festzuhalten, dass es nicht keine Wahrheit gibt. Das würde nämlich der Beliebigkeit Tür und Tor öffnen und es gäbe nur noch Meinungen. Wenn wir also umgangssprachlich von Tatsachen sprechen, sind damit Erkenntnisse gemeint, die nicht nur wahr genannt werden, sondern sich auch in unserer menschlichen Wirklichkeit bewährt haben – nicht unumstößlich, aber auch nicht mal eben so in Abrede zu stellen.


Georg Rieger
Buße

Umgangssprachlich benutzen wir den Begriff gerne für solche Bußen, die eigentlich banal sind: das zunehmende Körpergewicht, die Strafe fürs Zuschnellfahren oder den Kater am Morgen nach der Party. Dass bestimmte Fehlverhalten Folgen haben, hat aber mit Buße genau genommen wenig zu tun.

Denn Buße ist in der Sprache des Glaubens genau das Gegenteil, nämlich ein Bewusstwerden und eine Sinnesänderung: Mein Verhalten war oder ist nicht ok. Ich will etwas ändern und besser machen. Diese Bußfertigkeit kommt nicht automatisch und wird mir nicht auferlegt, sondern kommt aus mir selbst. 

Auch bei dem, was Buße bewirkt, gibt es einen Unterschied: Die Diät kann gelingen, die Punkte in Flensburg werden wieder gelöscht und am nächsten Abend ist der Kopf wieder klar. Die selbsterkannte Schuld wird dagegen nicht getilgt, sondern von Gottes Gnade umfangen. Wir werden nie mehr unschuldig, aber können mit der Schuld leben. Jedenfalls, wenn wir dem Versprechen vertrauen, dass Gott uns nicht danach beurteilt, was wir meinen falsch gemacht zu haben.


Georg Rieger
Paradies

Ist es nicht ein bisschen oberflächlich, sich die Erfüllung aller materiellen, kulinarischen oder sexuellen Wünsche vorzustellen, wenn es um das Paradies geht? Beschreibungen und Bilder gehen seltsamerweise oft in die Richtung, Völlerei, Prasserei und Männerphantasien mit dem Paradies in Verbindung zu bringen. An die biblische Vorlage halten sich die meisten Künstler nur beim Ort des Geschehens, der fast immer ein Garten ist.

Theologisch ist das Paradies der Zustand, in dem wir Menschen leben durften, bevor es zum Sündenfall kam, also eher ein Terminus für den guten Menschen in einer lebensfreundlichen Umwelt. Der Weg dahin zurück steht uns aber nicht offen – auch nicht über eine noch so große Anstrengung. Bleibt es also bloß eine Erinnerung daran, wo wir herkommen?

Gelegentlich, aber tatsächlich selten, wird das Paradies ernsthaft auch als Zukunftsoption oder als gegenwärtiger Ort erwähnt. Wir möchten ungern naiv genannt werden und überlassen das lieber den Herstellern von Bettwäsche oder den Anbietern von Pauschalreisen. Dabei gibt es durchaus Augenblicke, in denen in unserem Leben das Paradies aufscheint. Und in unserem Denken und Handeln haben wir natürlich vor Augen, wenigstens hin und wieder ein paar paradiesische Momente hinzubekommen.


Georg Rieger
Schöpfung

Dass Gott die Welt geschaffen hat, ist kein bisschen weniger glaubhaft, seit wir Menschen viel über die Entstehung und Veränderung des Lebens und die Fliehkräfte des Alls erkannt haben. Ganz im Gegenteil: Je mehr wir wissen, desto mehr wird auch klar, was alles noch unerforscht ist, und dass die Zusammenhänge allen Lebens unfassbar komplex sind. Und wir Menschen sind nicht einmal im Ansatz fähig, Ähnliches zu schaffen.

Allein dieser Respekt vor unseren Lebensgrundlagen macht den Schöpfungsglauben kompatibel für alle Religionen. Und selbst Agnostiker finden ihn immerhin sympathisch. Allerdings ist es noch ein weiter Weg, zur Bewahrung der Schöpfung politische Ziele zu formulieren oder gar eine umweltgerechte Lebensführung einzuüben. Ob es den Menschen überhaupt gelingen kann, die Schöpfung zu bewahren ist aber nicht nur eine politische, sondern auch eine theologische Frage.

Der Mensch hat den ökologischen Kreisläufen mit zunehmender Intelligenz immer weniger gutgetan. Die Auswirkungen unseres Lebens waren allerdings noch nie so zerstörerisch wie momentan. Diejenigen, die die Schöpfungsgeschichte aufgeschrieben haben, haben das Grundproblem bereits erkannt, dass der Mensch sich die Erde untertan macht. Wir Menschen können lediglich versuchen, die Schäden so gering wie möglich zu halten. Die Schöpfung bewahren kann nur derjenige, der sie geschaffen hat.


Georg Rieger