'Das neue Leben'

Lippe: Motto für die Gottesdienstreihe 'Profile'

Musikalischer Profile-Gottesdienst in St. Nicolai. Mit Kirchenmusikdirektor Friedemann Engelbert, Pfarrer Dr. Ulf Zastrow und der Bildhauerin Carolin Engels neben der Skulptur, die bis Ende Januar in St. Nicolai zu sehen ist (von links) © Lippe

Der Römerbrief des Paulus, dessen zentrale Botschaft das Evangelium von Jesus Christus ist, steht in diesem Jahr im Mittelpunkt der Gottesdienstreihe "Profile" der Lippischen Landeskirche.

Die Reihe, die in verschiedenen Gemeinden und Orten stattfindet, hat unter dem Motto „Das neue Leben“ in St. Nicolai Lemgo ihren Auftakt genommen. Das Thema ist mit dem Karl-Barth-Jahr 2019 verknüpft. Der Schweizer Theologe Karl Barth (1886-1968) war Mitbegründer der Bekennenden Kirche, Gegner des Nationalsozialismus und förderte die Ökumene. Vor hundert Jahren erschien sein Buch „Der Römerbrief“, das sich mit zeitübergreifenden Aussagen des Paulusbriefes beschäftigt.

Jeden Profile-Gottesdienst begleiten eine Gemeindeveranstaltung und eine künstlerische Installation. So hielt Landessuperintendent i.R. Dr. Gerrit Noltensmeier einen Vortrag über „Paulus und die Botschaft vom neuen Leben im alten Rom“ und die Lemgoer Bildhauerin Carolin Engels hat eine Skulptur vorgestellt, die bis Ende Januar in St. Nicolai zu sehen ist.

Die Skulptur reduziert den menschlichen Körper auf seinen gewundenen Torso, der den Willen nach Leben angesichts des Todes veranschaulicht. Der Text aus einem Gedicht der Jüdin Selma Meerbaum-Eisinger, die 1942 im Alter von 18 Jahren in einem SS-Arbeitslager starb, ist der Figur auf den Leib geschrieben: "Ich möchte leben, möchte lachen und Lasten heben, möchte kämpfen und lieben und hassen, möchte mit den Händen den Himmel fassen und möchte frei sein und atmen und schrein.“ Schwarze Bodenplatten mit den ersten 17 Versen des Römerbriefes umgeben die Skulptur. Diese seien nicht nur in der Installation der uns tragende Boden, der aus der Tiefe zu uns aufsteige, „die Verse geben dem Leben Fundament. Neues Leben – aufstehen – auferstehen“, so Pfarrer Dr. Ulf Zastrow in seiner von Kirchenmusikdirektor Friedemann Engelbert musikalisch umrahmten Predigt zum Thema „Aufbruch in das neue Leben – Paulus – Karl Barth – Wir“.

Als die Künstlerin Carolin Engels auf den Stein gestoßen sei, habe sie einen Frauentorso gesehen, der von einer Schmerzlinie geprägt ist. Vom Leben zerbrochen, auf das Wesentliche reduziert, von Schmerzlinien und der Sehnsucht nach Leben gezeichnet, stehe die Figur uns zugewandt und verberge ihre Wunden und ihren Wunsch nach neuem Leben nicht.

Paulus schreibe vom Evangelium, wie es sich ihm in der Begegnung mit Christus offenbart habe. Er habe sich bis dahin Gott nach seinem Bilde selbst gemacht: einen strengen Gott, der andere beherrsche und keinen Widerspruch dulde. Nach der Begegnung mit dem auferstandenen Christus sei ihm klar geworden, dass Gott ein ganz anderer sei. Christus sei da, wo man ihn nicht erwarte, bei Schuldigen, bei Vergessenen und Verachteten. Gott halte sich in Christus nicht an Geist und Logik dieser Welt, er stehe darüber. „Er stirbt am Kreuz, damit wir in unserem Kreuz nicht allein sind“.

Karl Barth sei beim Lesen des Römerbriefes klar geworden, dass Glaube ein staunendes Empfangen und kein christliches Weltverbesserungsprogramm sei. Die Vorstellung des 19. Jahrhunderts, dass die Welt durch fortschreitende Versittlichung zum Himmelreich werde, habe er als „praktischen Atheismus“ entlarvt, der egoistische Ziele und Nationalismus an Gottes Stelle setze.


Quelle: Lippe
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