Der höchste Feiertag

Mittwochskolumne von Paul Oppenheim


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Der höchste jüdische Feiertag ist der Versöhnungstag Yom Kippur. Für Muslime ist es das sogenannte Zuckerfest, für Buddhisten der Jahrestag der Erleuchtung Buddhas. Was aber ist für Christen hierzulande der höchste Feiertag?

Theologisch korrekt wird Ostern als der höchste christliche Feiertag betrachtet, auch wenn zeitweilig der Karfreitag in den evangelischen Kirchen noch größere Bedeutung bekam. Er wurde geradezu zum „Konfessionsmerkmal“ der Protestanten, mit dem man sich von den Katholiken unterschied.

Wer ein bisschen älter ist, wird sich an die vollen Kirchen zu Karfreitag erinnern und an die Abendmahlsfeiern mit hunderten von Gästen, die häufig schwarz gekleidet waren. Es galt das strenge Tanzverbot am stillen Feiertag, der in Deutschland bis heute staatlich geschützt und arbeitsfrei ist.

Aller Theologie zum Trotz hat sich aber ein Wandel vollzogen. Gottesdienste zu Karfreitag und Ostern gehören längst nicht mehr zu den bestbesuchten. Der Gottesdienst am Ostermontag dürfte sogar zu den am schlechtesten besuchten Gottesdiensten des Jahres gehören.
Gerade noch eine halbe Million Evangelische kommen am Karfreitag zur Kirche, weniger als einem durchschnittlichen Sonntag. Doppelt so viele sind es am Erntedankfest und zehn Mal mehr an Heiligabend.

Das Kirchenvolk stimmt mit den Füßen ab. Da mögen Theologieprofessoren, Pastoren und Kirchenleitende noch so sehr Karfreitag und Ostern hoch halten, die christlichen Gemeinden haben in ökumenischer Eintracht Weihnachten zu ihrem höchsten Feiertag erkoren. Die Mitte des Glaubens hat sich verlagert. Welches Reformpotential darin liegt, müssten Theologie und Kirche noch ausbuchstabieren. Welche Botschaft für die Welt hat eine Kirche, bei der Weihnachten im Mittelpunkt steht? 


Paul Oppenheim