'Die Vergangenheit vergeht nicht'

Erinnerungen am Holocaustgedenktag


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Deutschlandweit erinnerten Gemeinden und Kirchenkreise an die Opfer des Nationalsozialismus. EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus mahnte zu Wachsamkeit und warnte vor zunehmendem Hass und Gewalt.

Anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus (27. Januar) hat die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Annette Kurschus, zu mehr Wachsamkeit vor Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit aufgerufen. „Die Vergangenheit vergeht nicht. ‚Du bist anders, deshalb darfst du nicht sein!‘: Das ist der klägliche und gleichzeitig bedrohliche Wahn, der heute immer noch, sogar zunehmend, Angst, Hass, Gewalt, Mord hervorbringt“, mahnte die Präses an.

Der antisemitische, rassistische, antiziganistische Wahn sei entsetzlich und zersetzend. Er könne jeden Menschen treffen, denn er baue auf Zuschreibungen. „Auf keinen Fall nehmen wir diesen Wahn hin“, so Kurschus. „Wir müssen widersprechen, handeln und die Betroffenen schützen, ganz konkret, wo immer solche Reden geschwungen werden, am besten noch bevor Taten daraus werden. Und zwar zuerst bei uns selbst, denn auch unsere Kirchen sind nicht frei von Antisemitismus, Rassismus, Antiziganismus“, so Kurschus weiter.

Zum Holocaustgedenktag erinnerten Kirchengemeinden deutschlandweit an die Opfer des Nationalsozialismus. Im Rahmen der Ökumenischen Plötzenseer Tage fand ein jüdisch-christliches Friedensgebet in der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum in Berlin statt. Vorsitzender der Allgemeinen Rabbinerkonferenz (ARK), Rabbiner Prof. Dr. Andreas Nachama, Beauftragter für Erinnerungskultur und Gedenkstättenarbeit im Erzbistum Berlin, Pfarrer Lutz Nehk und die Beauftragte für Erinnerungskultur in der EKBO, Pfarrerin Marion Gardei gestalteten die Andacht. Gemeinsam mit der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) und der Evangelischen Akademie zu Berlin lud die Gemeinde der Französischen Kirche zu Berlin in die Französische Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt Berlin zu einem Gedenkgottesdienst ein.

In der Evangelischen Kirche im Rheinland befassten sich Präses Dr. Thorsten Latzel und der Düsseldorfer Anwalt Dr. Stefan Lode in einem Videogespräch mit der Fragestellung, „warum es sich weiter lohnt, Nazi-Verbrechen aufzuarbeiten“: „Wenn die Straftat nicht verjährt ist, muss ich weiter ermitteln und auch anklagen“, sagt Lode, der seit 2015 zahlreiche Holocaust-Überlebende in den NS-Prozessen der jüngsten Vergangenheit vertreten hat. „Für den Juristen stellt sich keine Sinnfrage, ob ich ein Verfahren, das eine Tat behandelt, die 60, 70, 80 Jahre zurückliegt, noch verfolge und vor Gericht verhandle.“ Für Präses Latzel haben die Opfer von Gewalt einen Anspruch, „dass wir ihre Geschichten nicht vergessen. Das ist wichtig auch für uns als Gesellschaft.“

Auch die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Dr. Beate Hofmann sagte in einer in den Sozialen Medien verbreiteten Botschaft: „Vergessen ist der Anfang des Wiederholens. Darum: Erinnerung schützt vor Wiederholung des Holocaust.“

Der 27.1. ist der Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau durch die Sowjet-Armee im Jahre 1945 und wurde 1996 als bundesweiter Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus eingeführt.


Quellen: EKvW/EKiR/EKKW/EKB/EKBO