'Gerecht ist, was der Gemeinschaft dient'

Manfred Rekowski: Predigt zur Gebetswoche für die Einheit der Christen im Aachener Dom


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Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland hat die Kirchen zum Einsatz für Gerechtigkeit in Deutschland und weltweit aufgerufen.

„Je höher das Vermögen, desto eklatanter wird die Ungleichheit“, sagte Rekowski im ökumenischen Gottesdienst zur Gebetswoche für die Einheit der Christen am Dienstagabend im Aachener Dom. Gerechtigkeit, wie die Bibel sie verstehe, sei dagegen immer Ausdruck eines Tuns, das an der Gemeinschaft orientiert sei und den Interessen aller diene, erklärte Rekowski in seiner Predigt, die das Leitwort der Gebetswoche aufgriff: „Gerechtigkeit, Gerechtigkeit – ihr sollst du nachjagen.“ (5 Mose 16,20a)

„Gerecht ist, was der Gemeinschaft dient, was sie fördert und ihre Mitglieder zur Entfaltung bringt. Ungerecht ist dagegen das, was der Gemeinschaft schadet, was sie zerstört oder hemmt“, sagte Rekowski. Gerechtigkeit im biblischen Sinne gehe deshalb weiter als die Fragen nach Verteilungsgerechtigkeit oder Leistungsgerechtigkeit in der gesellschaftlichen Debatte. Sie erfordere auch immer, die Folgen des eigenen Tuns abzuschätzen. Gerechtigkeit sei auch kein Idealzustand, der irgendwann erreicht sei. „Immer wieder neu haben wir zu fragen, was der Gemeinschaft guttut. In einer ökumenischen Arbeits- und Hoffnungsgemeinschaft treten wir gemeinsam für Gemeinschaftsgerechtigkeit ein“, sagte er.

Gerechtigkeit sollte ebenfalls im Verhältnis zwischen den Konfessionen herrschen, unterstrich der Präses. „Gerecht ist auch in unseren ökumenischen Beziehungen das, was unsere Gemeinschaft fördert. Es geht nicht darum, dogmatisch Recht zu behalten, sondern darum, Gerechtigkeit zu tun“, sagte er im Hinblick auf das gemeinsame Abendmahl.


Quelle: EKiR