Psalm 74: Gedenke an den Bund, denn die dunklen Winkel des Landes sind voll Frevel

10. Sonntag nach Trinitatis (Israelsonntag)


Du, Heiliger Israels, vergisst das Leiden deines Volkes nicht.
Du hast alle seine Tränen gesammelt
und wirst seine Peiniger zur Rechenschaft ziehen.

 

1 "Eine Unterweisung Asafs." Gott, warum verstößest du uns für immer und bist so zornig über die Schafe deiner Weide? 2 Gedenke an deine Gemeinde, die du vorzeiten erworben und dir zum Erbteil erlöst hast, an den Berg Zion, auf dem du wohnest. 3 Richte doch deine Schritte zu dem, was so lange wüste liegt. Der Feind hat alles verheert im Heiligtum.

8 Sie sprechen in ihrem Herzen: Lasst uns sie ganz unterdrücken! Sie verbrennen alle Gotteshäuser im Lande. 

11 Warum ziehst du deine Hand zurück? Nimm deine Rechte aus dem Gewand und mach ein Ende! 12 Gott ist ja mein König von alters her, der alle Hilfe tut, die auf Erden geschieht. 13 Du hast das Meer gespalten durch deine Kraft, zerschmettert die Köpfe der Drachen im Meer. 14 Du hast dem Leviatan die Köpfe zerschlagen und ihn zum Fraß gegeben dem wilden Getier. 15 Du hast Quellen und Bäche hervorbrechen lassen und ließest starke Ströme versiegen. 16 Dein ist der Tag und dein ist die Nacht; du hast Gestirn und Sonne die Bahn gegeben. 17 Du hast dem Land seine Grenze gesetzt; Sommer und Winter hast du gemacht. 18 So gedenke doch, HERR, wie der Feind schmäht und ein törichtes Volk deinen Namen lästert. 19 Gib deine Taube nicht den Tieren preis; das Leben deiner Elenden vergiss nicht für immer. 20 Gedenke an den Bund; denn die dunklen Winkel des Landes sind voll Frevel. (Ps. 74, 1-3.8.11-20)


Ewiger Gott, Richter der Welt,
wir hören die Klage deines Volkes
und müssen erkennen,
wie oft wir Christen zum Anlass wurden,
sie aufs Neue anzustimmen.
Nicht nur einmal mussten jüdische Menschen
die Zerstörung ihrer Gotteshäuser beweinen.
Nicht nur einmal hat die Angst
vor der Gewalttätigkeit der Feinde
ihr Leben zerstört.
Nicht nur einmal mussten sie in die Fremde gehen
und den Verlust alles betrauern,
was ihnen Heimat gewesen ist.
Nicht nur einmal wurden viele von ihnen ermordet,
und ganz Israel von Vernichtung bedroht.

Du, Heiliger Israels, vergisst das Leiden deines Volkes nicht.
Du hast alle seine Tränen gesammelt
und wirst seine Peiniger zur Rechenschaft ziehen.
Gott, vor dir können wir die Schuld unserer Kirche
nicht verbergen
und nicht die Gleichgültigkeit gegenüber Israels Schicksal,
die manchmal auch unsere Herzen vergiftet.
Wir bitten dich, gerechter Gott:
Vergib uns um deiner Barmherzigkeit willen
und stell uns deinem Volk
in neuer Achtsamkeit zur Seite.  Amen.


Sylvia Bukowski