'Wir warten ungeduldig'

Gottesdienst am Küchentisch. Auf der Couch. Oder sonstwo


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Von Kathrin Oxen

Wo zwei oder drei versammelt sind, da ist Jesus Christus mitten unter ihnen. Gott sei Dank. Das heißt: Auch, wenn derzeit keine regulären Gottesdienste stattfinden, wird überall auf der Welt weiter gebetet, gesungen, hört Gott zu und ist nah. Wir möchten Ihnen hier ein paar Anregungen geben, wie Sie diese Zeit gestalten können.

Was man braucht: Mindestens eine Person. Eine Kerze. Eine Bibel. Vielleicht ein Gesangbuch. Ein kleiner Tipp: Es fällt leichter, wenn man sich einen festen Zeitpunkt setzt. Zum Beispiel am Sonntagmorgen.

Zu Beginn: Kerze anzünden

Eine*r:

Die Glocken läuten und laden ein zum Gebet. Jesus sagt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ – Wir sind versammelt. An unterschiedlichen Orten, zu unterschiedlichen Zeiten, miteinander verbunden über alle Entfernung.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Alle:
Amen.

Eine*r:
Lasst uns beten.

Alle:
Du Gott der Wahrheit
wir würden niemals behaupten,
wir seien sicher,
was richtig ist und was falsch im Glauben.
Wir möchten uns als Suchende sehen,
als Menschen, die offen sind, zu lernen.
Aber oft lassen auch wir nur unseren eigenen Glaubensweg gelten.
Ohne zu merken werden wir,
was wir anderen unterstellen:
selbstgerecht und intolerant.
Gott,
dein Wort leuchte uns heraus aus allen frommen Lebenslügen
und leite uns in Wahrheit zu dir.
Amen

Psalmgebet Psalm 119
(nach einer Übertragung von Peter Spangenberg)/p>

Eine*r:
Geborgen lebt der Mensch,
der nach Gottes Willen fragt.
Geborgen lebt der Mensch,
der sich an Gottes Gebote hält.
Geborgen lebt der Mensch,
der sich nach Gott richtet,
seinen Weg mitgeht und sich
nicht am Leben vergreift.

Alle:
Das wünsche ich mir für mein Leben auch, Gott.
Wie kann man von jung an sein Leben so führen?
Doch nur, wenn man sich an das hält, was du sagst.
Deshalb halte ich deine Worte in meinem Inneren
und freue mich über das Ziel, dass du mir zeigst,
wie über einen Schatz.

Eine*r:
Öffne mir den Blick
und gib mir Einsicht in deine Wunder.
Ich bin ja nur zu Gast in dieser Welt
und brauche deine Hilfe.
Ich möchte den tiefen Sinn deiner Gebote erkenne,
damit ich anderen von deinen Wundern erzählen kann.

Alle:
Gott, ich suche dein Verständnis von ganzem Herzen.
Ich überlege mir jeden Schritt
und nehme dein Wort als Wegweiser.
Mein Leben kommt aus deiner Hand,
zeig mir, wie ich es lebe.
Erfrische mich, ermuntere mich,
damit ich es auch schaffe.

Eine*r:
Deine Worte reichen weiter als der Himmel, den ich sehe.
Du legst offen zutage,
wer du bist und was du willst.
Wenn du sprichst,
wird es in meinem Leben hell und klar.
Sei du mitten in meinem Leben,
damit ich mich nicht verirre.

Amen.

Heute kann gesungen werden:
EG 295 Wohl denen, die da wandeln
oder EG 408 Meinem Gott gehört die Welt

Eine*r liest die alttestamentliche Lesung für den Sonntag
Gen 8, 18-22; 9. 12-17

Eine*r liest die Predigt zum gleichen Text

Glaubensbekenntnis
(nach Dietrich Bonhoeffer)

Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten. Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Schicksal ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.

Fürbittengebet
Du unser Schöpfer und Erlöser,
du bist geduldig, du mahnst und rufst zur Umkehr,
du tröstest uns und rettest deine Schöpfung.
Du unser Schöpfer und Erlöser,
du bist geduldig,
aber wir warten ungeduldig darauf,
das Schmerzen und Not enden.
Wir bitten dich für die Kranken
in ihren Schmerzen, in ihrer Angst,
in ihrem Ausgeliefertsein.
Wir bitten dich für die Hungernden
in den Elendsgebieten und Lagern,
in unserer Nachbarschaft und verborgen vor Öffentlichkeit.
Du bist geduldig,
aber antworte auf unsere Bitten und beende die Not.
Du unser Schöpfer und Erlöser,
du mahnst und rufst zu Umkehr,
aber wir hören nicht dir zu,
sondern achten auf die Stimmen, die von dir weg führen.
Wir bitten dich für die Mächtigen und ihre Entscheidungen,
Wir bitten dich für alle, die einflussreich sind,
die Stimmungen machen und Meinungen prägen.
Du mahnst und rufst zu Umkehr,
öffne unsere Herzen für deine Gebote.
Du unser Schöpfer und Erlöser,
du tröstest uns und rettest deine Schöpfung.
Wir danken dir für die Hoffnung, die du in uns setzt.
Wir bitten dich für alle, die glauben und an dir festhalten.
Bewahre deine Schöpfung, wie du es verheißen hast.
Segne uns und alle die zu uns gehören.

Vater unser

Segen
Alle öffnen die Hände. Eine*r oder alle gemeinsam sagen:
Gott, segne uns und behüte uns.
Lass dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Erhebe dein Angesicht auf uns und gib uns Frieden.
Amen.

Hier könnte man gut noch ein Lied singen,
z.B. EG 171 Bewahre uns, Gott
EG 65 Von guten Mächten

Kerze auspusten

Nehmen Sie sich ein bisschen Zeit nach dem Gottesdienst. Widerstehen Sie der Versuchung, sofort zur Tagesordnung überzugehen. Vielleicht ist jetzt gerade eine gute Gelegenheit, weiter über das zu sprechen, was Sie bewegt.


Kathrin Oxen
Jeden Sonntag: Gemeinsam unterwegs in besonderen Zeiten - von Kathrin Oxen

In Pandemie-Zeiten dürfen in Kirchen in Deutschland Zusammenkünfte nur mit Einschränkung stattfinden. Der Gottesdienst aber geht weiter! Kathrin Oxen, Moderatorin des Reformierten Bundes, gibt Ihnen auf reformiert-info.de jeden Sonntag Materialien für den Gottesdienst für Zuhause, dazu eine aktuelle Predigt.