Es ist der Herr!

Predigt über Johannes 21,1-12 von Peter Bukowski


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Vorgetragen beim "Wissenschaftlichen Symposion der EKD zum Reformprozess" - nominiert für den Predigtpreis.

Zur Predigt lese ich Johannes 21,1-12 – eine Geschichte aus den ersten Tagen kirchlicher Reformprozesse.

Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See Tiberias. Er offenbarte sich aber so: Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger. Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich will fischen gehen. Sie sprechen zu ihm: So wollen wir mit dir gehen. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts.

Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten's nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische. Da spricht der Jünger, den Jesus liebhatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr war, gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich ins Wasser.

Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen. Als sie nun ans Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer und Fische darauf und Brot. Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! Simon Petrus stieg hinein und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht. Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war.

 

Liebe Schwestern und Brüder,

I.

davon lebt die Kirche, und so wird Kirchenreform in Gang gesetzt, dass wir gestern und heute und in Zukunft unter der Verheißung stehen: „Als es aber schon Morgen war, stand Jesus da“ (V. 4).

Dabei macht gerade unsere Geschichte deutlich, wie ganz und gar die Gemeinde und die Kirche darauf angewiesen sind, dass Jesus jeden Morgen neu auf sie wartet. Denn das Bild, das uns von der noch jungen Gemeinde gezeichnet wird, ist abgründig. Man stelle sich das nur einmal vor: Hier sind die Säulen der Jüngerschaft beieinander: Simon Petrus, Thomas, die Zebedäussöhne, der Jünger, den Jesus lieb hatte - im Ganzen sind es sieben, eine symbolträchtige Zahl, die gewiss ausdrücken soll, dass wir hier so etwas wie ein exemplarisches Stück Kirche vor Augen geführt bekommen. Aber was für ein Exempel bieten sie?! Zumal wenn man bedenkt, was sie gerade erst erlebt haben: die österlichen Erscheinungen, die Geistbegabung, die Aussendung, die Verleihung der Schlüsselgewalt - all das haben sie erlebt und was ist jetzt?! Nicht wahr, jetzt liegt eine unheimliche Tristesse über der ganzen Szene. Ich fühlte mich an die vier Geiern aus Walt Disneys Dschungelbuch erinnert. Die hocken da ’rum, grau und mit hängenden Schultern, und irgendwann fragt einer: „Was fangen wir denn jetzt an?“ Und ein anderer antwortet: „Schlag Du was vor.“

Petrus: „Ich will fischen gehen.“ Die anderen: „Na, kommen wir halt mit.“ Unheimlich trist. Nichts mehr von österlicher Begeisterung. Diese Gemeinde ist gleichsam absorbiert vom Sog des Alltäglichen. Mit Ernst Lange gesprochen ist ihr Glaube mundtot gemacht durch die Sprache der Tatsachen. Hier regt sich nicht mehr das Herz, sondern hier meldet sich der Magen. Und so betreiben die Jünger business as usual. „Ich will fischen gehen.“ „Kommen wir halt mit.“ Gemeinde, die einfach nur noch mit sich selbst beschäftigt ist. Und deshalb: In dieser Nacht fingen sie nichts (V. 3). In dieser Nacht - da klingt schon an, dass sie´s morgen wieder versuchen werden und immer und immer wieder: routinisierter Trott, der einfach weitermacht.

Dieses Bild alltäglicher Tristesse – ich könnte auch sagen: mehr oder weniger gut organisierter Belanglosigkeit – begleitet die Kirche Jesu Christi als Schatten einmal mehr, einmal weniger deutlich bis auf den heutigen Tag. Man ist zusammen und doch merkt man selbst – und erst recht die anderen – kaum mehr etwas von dem, was da tragen und aufleuchten und ausstrahlen müsste.

Ich greife ein wenig voraus; es gibt nämlich einen sicheren Maßstab, ob's mit der Gemeinde noch stimmt oder nicht. Jesus stellt die schlichte Frage: „Kinder, habt ihr nichts zu essen?“ (V. 5). Und die Jünger müssen antworten: „Nein“. Liebe Schwestern und Brüder, dieser Frage wird sich die Kirche, wird sich jede einzelne Gemeinde durch die Zeiten hindurch stellen müssen. Habt Ihr ’was zu essen: Brot für die Hungernden, Gerechtigkeit für die, die Unrecht leiden, Bleibe für die Unbehausten, Trost für die Traurigen, Wärme für die erstarrten Seelen? Wie ist es bei Euch um Gottesbegegnung, Lebenserneuerung, Gemeinschaft bestellt? Habt ihr was? Eine lebendige Gemeinde ist daran zu erkennen, dass sie etwas hat, was nährt, dass man bei ihr satt wird. Und umgekehrt: um eine Gemeinde, die die Menschen hungrig lässt, muss man sich ernsthaft Sorgen machen.

Der Beginn unserer Geschichte zeigt deutlich: Die Kirche ist kein sich selbst erhaltendes System, welches, einmal ins Leben gerufen, für die eigene Lebendigkeit zu sorgen in der Lage wäre. Im Gegenteil, Kirche ist immer auch gefährdete Kirche, gefährdet von ihrer eigenen Vergesslichkeit und ihrer Verschlossenheit für die Gegenwart des Auferstandenen und deshalb bedroht vom Verderben.

II.

„Als es … Morgen war, stand Jesus da“ (V. 4).

Die Jünger wissen's noch nicht. Und es wird noch eine ganz Zeit brauchen, bis sie ihn erkennen. Sie haben ihn ja nicht erwartet. Und herbeigerufen haben sie ihn erst recht nicht. Und doch ist er da und durchbricht mit seiner lebendigen Gegenwart ihre Selbstabgeschlossenheit. Mag er den Jüngern noch verborgen sein, so ist es doch der „Morgenglanz der Ewigkeit“, der sich im neuen Tag ankündigt und der Nacht ihres vergeblichen Treibens ein Ende setzen wird.

„Er aber sprach zu ihnen..." (V. 6)

Der Auferstandene spricht die Seinen neu an. Anders gesagt: Die Erneuerung – neudeutsch: der Reformprozess – der Gemeinde vollzieht sich als heilsame Wende unter dem Wort. Sie beginnt mit neuem Hören und führt ins Gehorchen.

Es ist der Kirche immer schlecht bekommen, wenn sie vergessen hat, dass sie nur im Hören auf Sein Wort Anschluss an ihre Lebensquelle behält. Wir sehen es ja inzwischen ein, dass die gewisse Bibelverschwiegenheit, die in den vergangenen Jahrzehnten in den evangelischen Landeskirchen herrschte – und mag sie als Reaktion auf einen erstarrenden Traditionalismus noch so verständlich und im ehrlichen Bemühen um die Adressaten noch so gut gemeint gewesen sein – dass diese Bibelverschwiegenheit und mit ihr einhergehend die Selbstsäkularisierung aufs Ganze gesehen sich doch problematisch ausgewirkt hat, weil sie einen Trend, dem sie sich zu stellen versuchte, ihrerseits verstärkt hat.

Um die Jünger auf die Notwendigkeit des Hörens aufmerksam zu machen, arbeitet Jesus in unserer Geschichte mit einem Überraschungseffekt, ich könnte auch sagen, mit einem Element von Verrücktheit. Es heißt ja:

Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden... (V. 6)

Manche Ausleger haben versucht, in diese Anweisung einen praktischen Sinn hineinzulegen: – Die rechte Seite sei die Glücksseite – als gehe es darum, die Arbeitsabläufe der Fischer zu optimieren. Ich glaube, umgekehrt wird ein Schuh daraus. Kein vernünftiger Mensch fischt bei Tage – ob zur linken oder zur rechten Seite spielt dabei keine Rolle. Die Pointe von Jesu Befehl liegt gerade darin, dass er nicht praktisch, dass er eigentlich ein bisschen verrückt ist. So verrückt wie Jesu Vorgehen auf der Hochzeit zu Kaana, wo der Speisemeister die Welt nicht mehr versteht: man serviert doch nicht zuerst den schlechteren Wein und dann den Guten... Und so verrückt wie fünf Brote und zwei Fische auszupacken und zu 5.000 Menschen zu sagen: „Setzen, jetzt gibt's was zu essen.“ All diese Verrücktheiten wollen uns in Erinnerung halten, dass die Wendung zum Leben strikt an sein Wort gebunden ist. Er ist der Weinstock. Er ist das Brot des Lebens. Ohne ihn können wir nichts tun.

Allerdings: Zwar sprengt Jesus die Regeln der Pragmatik, aber er setzt sie nicht außer Kraft, und so bleibt es den Jüngern nicht erspart, wieder an die Arbeit zu müssen. Der Auftrag mag ungewöhnlich sein, aber sie müssen ihn erfüllen, sie müssen ran. Ich höre daraus die Mahnung: Macht euch darauf gefasst, dass euch der Ruf des Auferstandenen bisweilen seltsam oder weltfremd vorkommen mag. Das ist normal. In einer Welt und in einer Kirche, die nicht mehr mit Jesus rechnet, behält sein Wort immer ein Element der Fremdheit. Deshalb hat der Apostel Paulus mehrfach darauf hingewiesen, dass es eine Verrücktheit gibt, derer wir uns nicht zu schämen brauchen. „Warum rennt Ihr immer noch in die Kirche?“ „Was soll das ständige Sich-Einsetzen für andere?“ „Wie, Du betest?“ Sollen die Leute sich doch wundern! Sollen sie denken, wie hätten sie nicht alle! Wir wissen es besser – wenn und sofern unser Tun der Weisung des Auferstandenen folgt!

III.

...Da warfen sie es aus und konnten's nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische (V. 6).

Lasst uns diese Mutmacherfahrung nicht gering schätzen! Auf dem Hören und Gehorchen ruht Verheißung. Und Gott sei Dank gibt's in der Kirche nicht nur Mangel und Dürre, sondern auch die Erfahrung von Erfüllung und Fülle. Wer das leichthin abtut, wovon will der zehren, wenn neuer Mangel sich einstellt. Die Jünger jedenfalls halten den Ertrag ihres gehorsamen Tuns mit aller Kraft fest. Später werden sie genau nachzählen, und ihre urchristliche Statistik verzeichnet 153 Fische. In Worten: einhundertdreiundfünfzig! Eine Wahnsinnszahl, die gewiss die Fülle symbolisieren soll, denn exakt ebenso viele Fischsorten kannte die antike Zoologie.

Liebe Schwestern und Brüder, lassen Sie uns im Wahrnehmen kirchlicher Wirklichkeit nicht in die protestantische Bescheidenheitsfalle tappen. Wer sich seiner Erfolge nicht freuen kann, der macht sich das Leben unnötig schwer und beleidigt den Heiligen Geist. Was soll der denn noch machen, wenn wir nie aufhören, an uns irgendwie herumzuknöstern, anstatt uns je und dann an unseren gelungenen Werken, an Zeichen seines Segens schlicht zu freuen. Zu sagen: „Jawohl. Das haben wir mit Gottes Hilfe erreicht.“ „Und“ – jetzt füge ich ein für protestantische Ohren fremdes Wort hinzu – „darauf sind wir auch stolz – mindestens so stolz wie mediterrane Fischer auf ihren Fang!“

Wir haben da noch manches zu lernen, gerade auch, was unsere Predigten betrifft. Wenn ich etwa Predigten zum Thema Gerechtigkeit und Weltverantwortung höre oder nachlese – gerade wir Reformierten können hier ja ein besonderes Engagement an den Tag legen – so wird mir der Eindruck vermittelt, der Prediger habe es durch die Bank mit gerechtigkeitsvergessenen, selbstbezogenen, für die Leiden anderer unsensible Gesellen zu tun. Auf ihre Defizite werden die Gemeinden angesprochen. Zur Umkehr werden sie gemahnt. Das ist ja gewiss nötig. Aber ebenso angesagt wäre auch das andere, nämlich das viele Positive und Gelungene aufzugreifen, beim Namen zu nennen, und die Gemeinden dafür ausdrücklich zu loben: Für die überzeugenden Beispiele von Achtsamkeit, von Solidarität, von ökumenischer Gemeinschaft über Kontinente hinweg; es wäre dafür zu danken, dass Gemeinden und Kirchen sich diese Gemeinschaft etwas kosten lassen und auch in Zeiten, wo sie finanziell selbst unter Druck geraten, in dieser Hinsicht verlässlich bleiben. Liebe Schwestern und Brüder, das Kompliment ist ein unverzichtbares Element prophetischer Predigt. Der Apostel Paulus wusste das. Er, der doch wahrlich nicht zimperlich ist mit seiner Kritik, kann mit gleicher Inbrunst loben: Wir danken Gott alle Zeit für euch alle…und denken ohne Unterlass vor Gott, unserem Vater, an euer Werk im Glauben und an eure Arbeit in der Liebe und an eure Geduld in der Hoffnung auf unseren Herrn Jesus Christus (1.Thess 1,2f.).

Gewiss: Wir haben auch viel Grund zu kritischer Selbstbesinnung. Aber dass wir darüber bitte nicht unseren Reichtum schmälern oder kleinreden! Immerhin: Am Schluss der Geschichte dürfen die Jünger von ihrem Reichtum mit zum Tisch des Herrn bringen (V. 10). Jesus würdigt den Ertrag ihrer Arbeit als willkommene Beigabe. Und darum noch einmal: Freuen wir uns an dem, was uns gelingt!

IV.

Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! (V. 7)

Ich halte die Reihenfolge für äußerst bemerkenswert, dass nämlich die Erkenntnis des Glaubens dem äußeren Tun folgt und nicht etwa vorangeht. Erst hören die Jünger neu hin, dann gehorchen sie, d.h. sie tun, was ihnen geraten wird, bis am Ende schließlich ihr Herz erreicht wird. Ich betone das, weil uns Protestanten die andere Reihenfolge so viel geläufiger ist: Du musst nichts tun, nur glauben, dann folgen die Werke von allein; der Weg geht gleichsam von innen nach außen. Unsere Geschichte zeigt, dass der Weg auch in die andere Richtung führen kann: vom Äußeren zum Inneren. Ich glaube, wir Protestanten müssen gerade die Äußerlichkeit wiederentdecken. Ich habe als Kind noch gelernt, man erkenne die Katholiken daran, dass sie das Vaterunser so schnell beten würden, und das läge eben daran, dass sie es ja nur äußerlich hersagen würden (Rosenkranz-Beten und so), während wir Evangelischen halt innerlich dabei wären. Nur, was folgte daraus, wenn das Innerliche nicht mehr dabei war? Dann ließ man es ganz sein – „Was soll ich noch beten, wo ich doch nichts mehr damit anfangen kann, das wär´ dann ja doch nur äußerlich.“

Heute hat die Vernachlässigung des vermeintlich Äußeren so weit geführt, dass unter uns Protestanten kein Konsens mehr besteht bezüglich der Notwendigkeit der Sonntagsheiligung. Auf politischer Ebene, da setzen wir uns für den arbeits- und verkaufsfreien Sonntag ein. Man kann nur hoffen, dass die Leute nicht mitkriegen, wie sehr wir selbst an dieser Stelle verlottert sind, wo auch bei hauptamtlich in der Kirche arbeitenden, auch bei Pastorinnen und Pastoren, auch bei Religionslehrerinnen und auch bei Professoren der Theologie der sonntägliche Gottesdienstbesuch alles andere als selbstverständlich ist. Da kann ein Berufsschulpfarrer ungestraft sagen: Ich gehe nicht in die Kirche, denn der Sonntag ist mir heilig: den verbringe ich mit meiner Familie. Ich glaube wir müssen heute ganz auf der Linie unseres Textes gerade von solchen Kirchen lernen, die das Äußere mehr wertschätzen. Wer weiß denn, ob die Jünger irgendetwas gefühlt oder auch nur groß gedacht haben. Sie haben das Gebotene zunächst nur eben getan, vielleicht sogar mechanisch. Aber im Tun machen sie schließlich eine neue, überwältigende Erfahrung, die ihr Herz erreicht und zum Glauben führt: Es ist der Herr! (V. 7)

V.

Und wo das geschieht, entsteht sogleich lebendige Gemeinde.

Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr war, gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich ins Wasser. Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot... (V. 7f.)

Es entsteht lebendige Gemeinde und mit der Lebendigkeit wird's gleich ökumenisch, denn der Wege, den Glauben zu leben, sind immer mehrere. Petrus zieht sich etwas spontihaft, um nicht zu sagen: schwärmerisch die Badesachen über, hechtet in den See und schwimmt dem Herrn entgegen, und die anderen bleiben stetig bei der Arbeit, kümmern sich in Ruhe um den Fang und bringen ihn sicher an Land.

Liebe Schwestern und Brüder, beides ist da, beides darf sein und beides hat sein Recht: das Vorwärtsdringende und das Bewahrende; das, wenn ich einmal so sagen darf, Ausgeflippte und das Gutbürgerliche, das ungeduldig Drängende und das Stetige, das Charismatische und das die Tradition bewahrende. Wer lebendige Kirche will, der hat sich, ob er es will oder nicht, für die Vielfalt entschieden. Der muss wollen, dass es Kirche im Plural gibt, und eine Buntheit und Vielfalt der Glaubensweisen! Denn auf beide wartet der Auferstandene zu und zu beiden sagt er: Kommt (V. 12). Und übrigens sollten sich beide für Überraschungen offen halten, denn es ist ja interessant: Der Jünger, der Jesus als erster erkannt hatte, blieb beim Fang, und der sich als erster weggemacht hatte, zieht das Netz ans Land: österlich Komplementarität.

Damit kommen wir ans Ende der Geschichte. Ruhe kehrt ein. Am Anfang hatten die Jünger sich um ihr Wohlergehen gesorgt. Jetzt wartet der Auferstandene schon auf sie, er hat längst den Tisch gedeckt, um sie zu stärken an Leib und Seele.

So, liebe Schwestern und Brüder, wandert die Kirche durch die Zeit. Oft unruhig und getrieben und im Nutzlosen sich verlierend; aber dann zieht der neue Morgen herauf und Jesus steht da und begegnet den Seinen im Wort. Und hörend werden wir auf den Weg gebracht. Und wenn wir tun, was er sagt, dann wird unsere Arbeit gesegnet sein und Frucht bringen, und neuer Glaube wird wachsen und lebendige Gemeinschaft in der Gegenwart dessen, der den Seinen zuruft: Kommt, denn es ist alles bereit.

Amen.


Peter Bukowski
Jeden Sonntag: Gemeinsam unterwegs in besonderen Zeiten - von Kathrin Oxen

In Pandemie-Zeiten dürfen in Kirchen in Deutschland Zusammenkünfte nur mit Einschränkung stattfinden. Der Gottesdienst aber geht weiter! Kathrin Oxen, Moderatorin des Reformierten Bundes, gibt Ihnen auf reformiert-info.de jeden Sonntag Materialien für den Gottesdienst für Zuhause, dazu eine aktuelle Predigt.