2. August 2021
Gott,
zu dir kann ich kommen
wo immer ich bin
du hast ein Ohr für mich
Zeit für mich
ein Herz für mich
Gott, ich bin verzweifelt
Ich liege hier in einer Halle
Eingerichtet für Leute wie mich
Sie geben mir Decken
Sie bringen Wasser
Sie versorgen mich. Doch:
Ich habe keinen Ort mehr
Ich habe kein Haus mehr
Keinen Garten
Alles hat die Flut weggerissen
So, als ob es keinen Wert hätte
Mein Leben trudelte den Bach hinunter
Ich habe alles verloren, verstehst du das
Sie hätten mich nicht retten sollen aus den Fluten
Sie hätten mich mit allem untergehen lassen sollen
Denn mein Leben ist untergegangen.
Was soll ich hier
Wo sind meine Menschen? Meine Tiere?
Meine Blumen? Meine Erdäpfel?
Ich halte das nicht aus, Gott
Du verstehst schon
Lass mich fluchen wie Hiob
Womit habe ich das verdient
Wofür diese Strafe
Lass mich sinken ins Vergessen
Eingehen ins Dunkel
Und falls du ein wenig Mut findest
Für eine Mutlose wie mich
Eile her
Es eilt ich bin am Ende
Gott, hältst du mich am Ende?
Amen.
Marianne Reifers, Luxor Egypt