24. Januar 2022
Gott des Himmels und der Erde. Du bist ewig und allmächtig, barmherzig und von großer Güte. / Du rufst uns ins Leben, rufst das Leben vor dem Tod, rufst das Leben in den Tod, rufst das Leben aus dem Tod. / Hör nicht auf, das Leben zu rufen. / Du gibst Worte in die Ohren, malst Bilder vor die Augen, die sind wie lebendiges Wasser, die erfrischen, wenn ich müde geworden bin in dieser dunklen Zeit. Dafür danke ich dir. / Aber du weißt es und wir hören nun beinahe täglich davon: Es gibt noch den Tod, den der Unschul¬digen und den der Schuldigen, es gibt noch das Leid, das der Trauernden und das der Unterdrückten, es gibt noch das Geschrei, das der Kranken und das der Gequälten. Ihre Tränen wirst du abwischen in einem neuen Himmel und einer neuen Erde. Uns aber hilf, ihre Tränen aufzu¬fangen unterm alten Himmel und auf der alten Erde, in die so viele Tränen fließen, mehr als die Tropfen des Regens. / Gib uns Ungeduld, dass wir nicht warten auf den neuen Himmel und die neue Erde, sondern jetzt schon kämpfen gegen das, was Leid, Geschrei und Tod hervorruft, kämp¬fen gegen Ungerechtigkeit und Terror, gegen Krankheit und Verzweiflung, gegen Schuld und Angst. / Und gib uns Geduld, dass wir ertragen, was wir nicht ändern können, ohne zu resignieren. / Und wenn ich sterben muss, Herr, so lass mich selig sterben und auferstehen im neuen Jerusalem und Nachbar sein an deinem Zelt. Gib mir ein seliges Sterben und ein fröhliches Auferstehen. Amen. /
Jürgen Kaiser, Berlin