Martin Bucer (1491-1551): Straßburger Katechismus - Für die Jungen
Vater:
Welches ist das zehnte Gebot?
Kind:
Du sollst dich nicht von deinen Begierden leiten lassen.
Vater:
Was verbietet der Herr hiermit?
Kind:
Alle bösen Gelüste und Begierden.
Vater:
Was können wir dafür, wenn wir ein böses Verlangen spüren, solange wir nur nicht darin einwilligen?
Kind:
Dennoch ist es unrecht; denn wir wollen (ja auch) nicht, dass jemand gegen uns ein böses Verlangen hegt
Vater:
Richtig; wer Gott und seinen Nächsten wahrhaft liebt, den wird niemals mehr nach etwas dürsten, das gegen Gott und seinen Nächsten gerichtet ist – ebenso wenig, wie wir nach etwas verlangen können, das uns selbst zuwider ist. Wie aber können wir diesem Gebot immer mehr Gehorsam erweisen
Kind:
Wenn unser Herr Jesus in uns lebt, denn in uns ist nichts Gutes.
Vater:
Darum gibt uns das Gesetz allein die Sünde und Verdammnis zu erkennen. Der Herr aber ist es, der uns vom Fluch des Gesetzes erlöst.
Aus: Martin Bucer: Straßburger Catechismus (1534), in neuhochdeutscher Übersetzung