Wochenrückblick
29. Juni 2019
Drei Tage nachdem der amerikanische Präsident den Angriff auf den Iran in letzter Minute gestoppt hat, tritt sein Sicherheitsberater vor die Mikrophone und wettert gegen seinen Erzfeind. Niemand solle die Besonnenheit und Umsicht Amerikas mit Schwäche verwechseln. Es klingt, als wollte er am liebsten dem Iran auf der Stelle den Krieg erklären. / / Drei Wochen nach dem Mord an dem Regierungspräsidenten Lübke hat der tatverdächtige Stephan Ernst den Mord gestanden. Er habe vollkommen alleine gehandelt. Aber keine drei Tage später wird deutlich, dass der Mann seit Jahren eng in ein Netzwerk gewaltbereiter Nazis eingewoben ist, dem auch die Mörder des sog. NSU angehört haben. / / Gott, die Nachrichten dieser Woche machen mir Angst und fühle mich ohnmächtig. / / Vor einer Woche ging der Kirchentag zu Ende. Bilder gut gelaunter Menschen war wieder zu sehen. Eben noch einander fremde stecken die Köpfe zusammen im offenen, vertraulichen Gespräch. So offen und so ohne Vorbehalt kann sich Kirche auch zeigen. / / Und doch muten mich die Verlautbarungen von den Podien und die Entschließungen aus den Hallen merkwürdig hilflos an angesichts der Gewalt und Aggression da draußen in der Welt und auch ganz nah in unseren Städten. / / Gott, stärke uns in unserer Hilflosigkeit.
Leo Deisenhofer, Thurnau